Die Genossenschaft "Für Solidarität und freie Bildung eG" im Café Amélie stellt sich vor


Wenn Du in Gießen schon mal im so genannten "Dönerdreieck" (Asterweg) unterwegs warst, sind Dir bestimmt am Eckhaus die gelben "Für Solidarität und freie Bildung" Plakate aufgefallen. Genau dort sitzt die Genossenschaft für Solidarität und freie Bildung eG, die übrigens nicht zu den Gewerkschaften gehört. Entstanden aus einem Zusammenschluss von momentan 37 Protestierenden gegen Studiengebühren, führt sie seit November 2007 Projekte im Bereich der politischen Bildung und der konkreten sozialen Aktion durch, was schon jetzt die Gründung ähnlicher Projekte in Kassel und Darmstadt inspiriert hat.

Bisher gab es Podiumsdiskussionen, Vorträge, eine Kunstausstellung, Filmvorführungen, Partys, Konzerte und Veranstaltungen wie z.B. Weihnachtsfeiern für "Hartz IV"-Kinder und andere Aktionen zur Unterstützung von sozialen Verbänden. Mittlerweile finden so durchschnittlich 2 Veranstaltungen in der Woche statt. Das erklärte Ziel der Genossenschaft besteht aber in der Errichtung eines täglichen Betriebs des Café Amélie.


Eine Genossenschaft ist kein Verein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen mit einer Rechtsform, die demokratische Mitbestimmung der Arbeitenden im Unternehmen und solidarisches Wirtschaften für einen guten Zweck ermöglicht. In unserem Fall bedeutet das, dass alle - egal ob Vorstand, Aufsichtsrat, Thekenschicht oder Putzteam – dasselbe verdienen, nämlich den Mindestlohn von 7,50€/h. Außerdem wird der Gewinn des Unternehmens nicht den Besitzern ausgezahlt, sondern fließt in einen Fonds zur Förderung von Projekten der politischen Bildung und sozialer Zwecke. Über die Verwendung des Fonds entscheidet das Plenum der Arbeitenden demokratisch.

Mitglied werden


Mitglied der Genossenschaft werden kann jede Person. Außer, sie gehört einer politischen Organisation an, mit der die Genossenschaft ihre Unvereinbarkeit erklärt hat, wie zB faschistoide Parteien. Jedes Mitglied muss im Verlauf des ersten Jahres einen Geschäftsanteil von 100€ erwerben, der auch erarbeitet werden kann. Damit ist das frischgebackene Mitglied dann Miteigentümer des eigenen (Neben)-Jobs, kann sich die Arbeitswelt gleichzeitig aus beiden Perspektiven anschauen und den Kurs des Unternehmens mitbestimmen. Es hat übrigens jedes Mitglied nur eine Stimme, egal wie viele Anteile man zeichnet.

Aus der Satzung der Genossenschaft "Für Solidarität und freie Bildung e.G.":

Die Genossenschaft...

...soll durch das erfolgreiche Beispiel solidarischen und sozialen Wirtschaftens die Idee der Solidarität verbreiten helfen.

...erklärt ihre Unvereinbarkeit mit Mitgliedern von faschistoiden, neonazistischen, nationalistischen, revanchistischen, neoliberalen, diskriminierenden, paternalistischen und autoritären Parteien, Vereinen, Burschenschaften oder Gruppierungen.

...wurde errichtet, um durch solidarisches Wirtschaften unabhängige, heterogene und wissenschaftlichen Kriterien verpflichtete politische Bildung und Kultur zu befördern.

...steht für Solidarität, Emanzipation aller Menschen, Antifaschismus, Selbstorganisation, Umweltschutz, Fairtrade und transzendierten Hedonismus.

Um es kurz zu machen: Wenn Du eine Veranstaltung mit politischem, kulturellem oder sozialem Bezug im Café oder Dachsaal durchführen möchtest, ohne gleich Mitglied werden zu wollen, bist Du herzlich willkommen.